Ein neu aufgebauter Esszimmerstuhl wackelt meist, weil eine Verbindung ungleichmäßig angezogen wurde, ein Fuß nicht sauber sitzt oder der Boden uneben ist. Stelle den Stuhl zuerst unbelastet auf eine möglichst ebene Fläche und drücke abwechselnd über den vier Beinen nach unten. Bleibt das Wackeln auf mehreren geeigneten Flächen gleich, solltest du die Schraubverbindungen und das Gestell neu ausrichten; bei Rissen, verbogenen Teilen oder lockeren Gewindeeinsätzen darf der Stuhl nicht benutzt werden.
Bodenfehler und Montagefehler auseinanderhalten
Bevor du Schrauben nachziehst, muss feststehen, ob der Stuhl selbst oder nur sein Standort die Bewegung verursacht. Teppiche, breite Fugen, einzelne Fliesenkanten und unebene Dielen können einen einwandfrei montierten Esszimmerstuhl kippeln lassen.
- Entferne Krümel, Verpackungsreste und andere Fremdkörper unter den Füßen.
- Stelle den Stuhl auf eine bekannte ebene, harte Fläche. Eine einzelne Bodenplatte eignet sich nur, wenn sie tatsächlich eben aufliegt.
- Drücke die Sitzfläche nacheinander über jeder Ecke leicht nach unten. So erkennst du, zwischen welchen beiden diagonal gegenüberliegenden Beinen die Bewegung entsteht.
- Drehe den Stuhl auf derselben Stelle um 90 Grad und wiederhole den Test.
Wandert die kippende Richtung mit dem Stuhl mit, liegt die Ursache wahrscheinlich am Stuhl. Bleibt die Bewegung dagegen an derselben Stelle des Raums, spricht das für eine Unebenheit des Bodens. Teste den Stuhl zusätzlich an einer zweiten geeigneten Stelle, falls das Ergebnis nicht eindeutig ist.
Schrauben lösen, Gestell ausrichten und gleichmäßig anziehen
Eine einzelne sehr fest angezogene Schraube kann das Gestell verspannen. Dadurch sitzt ein Bein geringfügig höher, obwohl alle Bauteile richtig aussehen. Nur die vermeintlich lockere Verbindung weiter anzuziehen, verschärft diese Schiefstellung unter Umständen.
- Vergleiche den Aufbau mit der Montageanleitung. Kontrolliere insbesondere die Positionen von Unterlegscheiben, Distanzstücken und unterschiedlich langen Schrauben.
- Prüfe jede Verbindung mit dem passenden Werkzeug. Sitzt eine Schraube schräg, lässt sie sich auffällig schwer drehen oder greift sie nicht sauber, drehe sie heraus und setze sie gerade neu an.
- Löse die Schrauben der tragenden Gestellverbindungen jeweils nur so weit, dass sich die Bauteile geringfügig ausrichten können. Nimm keine Verbindung auseinander, wenn die Anleitung dafür eine besondere Montagereihenfolge vorgibt.
- Stelle den Stuhl auf die ebene Prüffläche und drücke die Sitzfläche vorsichtig gleichmäßig nach unten. Alle Füße sollen dabei Bodenkontakt bekommen.
- Ziehe gegenüberliegende Verbindungen abwechselnd in kleinen Schritten an. Prüfe zwischendurch, ob alle Beine weiterhin aufliegen.
Verwende die in der Anleitung vorgesehenen Schrauben und Werkzeuge. Bei Holz, Holzwerkstoffen und Kunststoffteilen kann zu hohes Drehmoment das Gewinde beschädigen, einen Einsatz herausziehen oder das Material spalten. Fest bedeutet hier spielfrei, nicht mit größtmöglicher Kraft angezogen.
Eine Schraube, die sich ohne zunehmenden Widerstand weiterdreht, hält wahrscheinlich nicht richtig. Benutze den Esszimmerstuhl dann nicht, bis das Gewinde, der Gewindeeinsatz oder das betroffene Bauteil fachgerecht geprüft wurde.
Beine, Querstreben und Füße einzeln kontrollieren
Wackelt der Esszimmerstuhl nach dem erneuten Ausrichten weiterhin, folgt die Sicht- und Tastprüfung des Gestells. Lege ihn auf eine weiche, saubere Unterlage, damit Sitzfläche und Rückenlehne nicht beschädigt werden.
- Stuhlbeine: Jedes Bein muss vollständig in seiner vorgesehenen Aufnahme sitzen. Ein sichtbarer Spalt, eine verdrehte Halterung oder ein schief angesetztes Bein deutet auf einen Montagefehler hin.
- Querstreben und Rahmen: Prüfe, ob die Bauteile bündig anliegen und keine Verbindung seitlich versetzt ist. Bei verleimten oder vormontierten Verbindungen darf kein Spalt größer werden, wenn du das Gestell mit geringer Handkraft bewegst.
- Bodengleiter: Alle Gleiter müssen vorhanden, unbeschädigt und gleichartig sein. Ein nicht vollständig eingedrückter Gleiter oder ein zurückgebliebener Transportschutz verändert die wirksame Beinlänge.
- Gewindeeinsätze: Ein Metalleinsatz darf sich beim Anziehen nicht im Holz oder Kunststoff mitdrehen. Eine solche Verbindung erreicht keine verlässliche Klemmung.
- Risse und Verformungen: Feine Lacklinien sind nicht immer strukturelle Schäden. Öffnet sich eine Linie jedoch bei leichter Belastung oder verläuft sie durch ein tragendes Holzteil, muss der Stuhl außer Betrieb bleiben.
Vergleiche ähnlich aussehende Bauteile miteinander. Sind zwei Beine spiegelverkehrt vorgesehen oder besitzen Vorder- und Hinterbeine unterschiedliche Winkel, kann eine Vertauschung das gesamte Gestell verziehen. Maßgeblich sind dabei die Kennzeichnungen und Abbildungen der jeweiligen Montageanleitung.
Unebene Böden nur mit passenden Gleitern ausgleichen
Steht der Stuhl auf einer ebenen Prüffläche stabil, aber am Esstisch nicht, ist das Gestell normalerweise nicht die Hauptursache. Kleine Bodenunterschiede lassen sich mit dafür vorgesehenen, rutschfest sitzenden Möbelgleitern ausgleichen. Lose untergelegte Pappe, gefaltetes Papier oder kleine Holzstücke sind ungeeignet, weil sie verrutschen können.
Bei einschraubbaren Stellfüßen darfst du nur solche verwenden oder verstellen, die für das vorhandene Gestell vorgesehen sind. Nachträglich eingedrehte Schrauben können dünne Metallprofile, Kunststoffaufnahmen oder Holzbeine beschädigen. Bei Klebe- oder Steckgleitern müssen Form, Größe und Befestigungsart zum vorhandenen Fuß passen; außerdem sollten die übrigen Füße einen Gleiter derselben Art behalten.
Kontrolliere nach dem Ausgleich, ob der Stuhl unbelastet und mit vorsichtiger Belastung stabil steht. Er darf nicht seitlich wegrutschen, und kein Gleiter darf sich verschieben oder ablösen.
Belastungsprobe und klare Abbruchgrenzen
Nach erfolgreicher Montageprüfung belastest du den Esszimmerstuhl schrittweise. Drücke zunächst mit beiden Händen mittig auf die Sitzfläche. Bleiben alle Füße am Boden und sind weder Knacken noch Bewegung an den Verbindungen festzustellen, setze dich langsam und ohne Schwung darauf. Lehne dich bei dieser ersten Prüfung nicht stark zurück.
Eine geringe Elastizität des Materials ist nicht automatisch ein Defekt. Sichtbares Spiel an einer Verschraubung, ein wandernder Spalt, ein knackendes tragendes Holzteil oder ein erneut auftretendes diagonales Kippeln zeigen dagegen, dass der Stuhl noch nicht sicher montiert ist.
Beende die Eigenprüfung bei einem Riss, einem verbogenen Metallteil, einem ausgerissenen Gewinde, einem drehenden Gewindeeinsatz oder einem Bein, das trotz richtiger Montage nicht vollständig anliegt. Fotografiere die betroffene Stelle und halte Bauteilkennzeichnung sowie Kauf- oder Montagedaten bereit. Bei einem neuen Stuhl ist ein passendes Ersatzteil oder eine Prüfung durch Händler beziehungsweise Hersteller sinnvoller als eine improvisierte Reparatur an einem tragenden Bauteil.